Jaguar XJ6

So einen Briten aus den 80ern bekommt man nicht so oft in die Schrauberhände. Es mag daran liegen, dass die englische Autobaukunst aus den vergangenen Dekaden bei uns nicht unbedingt den besten Ruf besitzt. Wie sich später zeigen wird, ist dieser schlechte Ruf nicht ganz unberechtigt. Aber da man ja schon mal einen Jaguar XJ6 gemacht hat, der auch aus dieser Zeit stammte, kann das Ganze ja nicht so schwierig werden - so kann man sich irren!

Der ursprüngliche Plan für den wohlkultivierten Musikgenuss beim Gleiten auf der Autobahn war, ein 13cm 2-Wege Compo vorne einzubauen und eine dezente Bassunterstützung im hinteren Teil des Kofferraumes, die perfekt durch die zahlreichen Öffnungen in der Rücksitzbank und Hutablage spielt. Ein schöner Plan! Aber nicht mit dieser Katze! Beim Entfernen der nicht mehr ansehnlichen Kofferraumverkleidungen, die wir im Zuge des Projektes mit blauem Velour neu bezogen haben, enttarnte sich langsam das Ungemach: An der massiven (!) Blechabtrennung, die Innenraum von Kofferraum trennt und mit erschreckend kleinen und rar gesäten Löchern versehen ist, prangt neben einem Steuergerät auch noch der Motor für das Schiebedach! Hier hätte ihn sicherlich jeder hingebaut...

Kabel zu verlegen gehört in diesem Fahrzeug zu den Dingen, die absoluten Spass machen. Eine Aufgabe, die in anderen Fahrzeugen flott von der Hand geht, wird in diesem Briten zur absoluten Geduldsprobe, denn wie will man unter Verkleidungsteilen Kabel einziehen, wenn es keine Verkleidungsteile gibt? Der humorvolle Brite ansich spart sich lieber die Fertigung von Kunststoffteilen und klebt den Teppich einfach direkt aufs Blech. Wenn er dann mal eine Möglichkeit vorsieht, ein Kabel zu verlegen, wie es sie in manchen Teilen des Autos tatsächlich gibt, so sind es garantiert gewundene, geschlossene Blechholme, die am Anfang und am Ende ein viel zu kleines Loch haben. Nun kann man sich damit befassen, ein dickes 35mm² Stromkabel da durch zu wursteln - Fleischwunden garantiert! Ne; hat echt Spass gemacht...

Die Montage des Hochtöners auf dem Armaturenbrett macht erstmal überhaupt keine Probleme, konnten wir uns doch erstmal mit einem Aufbaugehäuse begnügen, da sowieso später alles nochmal einem Sattler in die Hände fallen wird. Dann werden die Hochtöner bündig ins Amaturenbrett eingelassen. Der 13er Tiefmitteltöner macht auch keine Probleme - wie auch, er passt einfach nicht! Aber damit geben wir uns natürlich nicht zufrieden. Unter Anwendung sämtlicher sich in unserem Wortschatz befindlichen Schimpfwörter dem Projekt über während, haben wir ihn auf einem Konstrukt aus Holzringen mit Aussparungen für die Bedienelemente der Aussenspiegel reingezwungen.

Nach ausgiebiger Beratung beschlossen wir, einen leistungsstärkeren Subwoofer samt passender Endstufe in die Reserveradmulde zu setzen. Normalerweise würde man bei einer Limosine mit dichtem Kofferraum einen Bandpasswoofer konstruieren, der durch den Skisack oder die Lautsprecheröffnungen in der Heckablage spielt. Aber was soll man machen, wenn nichts von dem vorhanden ist und auch der Innenraum kein Plätzchen bietet. Doorboards für etwas mehr Bass von vorne waren ja nunmal auch Tabu, denn optisch sollte im Innenraum natürlich nichts verändert werden.

Nun ist die Katze also ausgestattet mit einem Alpine CDA-9884 samt Imprint Prozessor, einem Helix Esprit E135 Frontsystem, dass vollaktiv über eine Kove K4 400 angetrieben wird. Die Bassabteilung übernimmt ein Kove KLD12 Subwoofer, der in ein 35l großes, geschlossenes Gehäuse in der Reserveradmulde spielt und von einer Kove K2 700 Endstufe befeuert wird. Mit einer ausgewogenen Beleuchtung aus zwei gelben LED-Streifen strahlt nun der Kofferraum im angemessenen Glanze.

Das klangliche Resultat versöhnt dann allerdings das geplagte Gemüt. Der Woofer weiß sich trotz geschlossenem Kofferraum sehr gut in Szene zu setzen und auch das Frontsystem kann trotz 13cm Chassis und nicht gerade optimalem, aber vom Fahrzeug vorgegebenem Einbauort, mit erstaunlichem Kickbass auftrumpfen. Auch im Mittel-/Hochtonbereich ist alles im harmonischem Lot. So gut hätten wir den Sound wegen der suboptimalen Gegebenheiten wirklich nicht erwartet. Einen nicht unerheblichen Anteil hieran trägt sicherlich auch der Imprint Prozessor, der jede Menge mehr aus der Anlage herrausholt. Natürlich haben wir wie immer auf die automatische Einmessung verzichtet und nach Gehör eingestellt. Wir wollten ja den Klang verbessern und nicht verschlimmbessern.
 

Wunderschön, edel und anmutig - noch ist die Welt in Ordnung
Die Katze
Der Kofferraum in seinem ursprünglichen, traurigem Zustand
Kofferraum
Verkleidungen weg- - Quadratisch, praktisch, gut!
Ausgeräumt
Das kann alles an einer Rücksitzbank hängen. Man beachte den Motor für das Schiebedach!
Rücksitzbank
35l geschlossen - der Kove Woofer fühlt sich wohl...
Subwoofer
...und steckt nun unsichtbar unter der frisch bezogenen Bodenplatte im frisch bezogenen Kofferraum
Neuer Teppich
Abdeckung auf die Stufen und Licht aus, Spot an!
Neuer Kofferraum
Reingezwungen in die originale Lautsprecheraufnahme - passt gerade eben
Türlautsprecher
Aber hinterher sieht alles original aus und nichts stört die originale, britische Optik
Original Optik
Britisches Wohnzimmer mit Wohlklang
Innen Ambiente